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Die Mädchen vom Postspielplatz, nach außen stark, nach innen verletzlich - aber wie sind sie wirklich?

Diese Mädchen gehören zu einer Minderheit, über die unsere Gesellschaft wenig spricht und weiß; es sind junge Migrantinnen mit deutschem Pass. Sie fallen nicht weiter auf, sie erschlagen niemanden auf dem Alexanderplatz, sie verprügeln keine Lehrer, ab und zu verschwindet mal eins und wird von den Eltern in die Heimat geschickt zum Heiraten. Ihr geheimer Treffpunkt nach der Schule ist der Postspielplatz. Das Publikum darf dabei sein, wenn sie schamlos ihre Freuden, ihre Ängste und ihre Hoffnungen teilen: was sie über deutsche Jungs denken, welchen Lehrern sie vertrauen, wen sie auf keinen Fall heiraten werden und welche Lügengeschichten sie erfinden für ein bisschen „wahres Leben“. In einem Zustand wie „Frühlingserwachen in zwei Welten“ suchen sie täglich die Brücke zwischen ihrer traditionsgebundenen Herkunftsfamilie und den Herausforderungen der modernen Welt, die völlig anders tickt. Dabei verstricken sie sich auf der Suche nach einer eigenen Identität in Konflikte, die sie erschüttern, aber teilweise auch stärken! „Die Mädchen vom Postspielplatz“ ist eine interaktive Theaterinszenierung, die authentisch die Lebensgefühle junger, migrantischer Mädchen auf die Bühne bringt.

Das Bühnengeschehen:
Nachdem die magische Ouvertüre, von Michael Kammertöns auf der Klang-Spirale gespielt, verklungen ist, sehen wir die drei Mädchen (Daria Kohlembach, Lodi Doumit, Nadine Oliviera de la Cruz) in Kreuzberg auf dem Postspielplatz. Zuerst sehen wir sie im Video und dann kommen sie auf die Spielfläche und amüsieren sich, so, als würde ihnen keiner zusehen. Ihre Monologe und Dialoge, ihr chorisches Reden fließen ineinander, und sie bewegen sich dazu in starken bildhaften Choreografien. Dabei tänzeln und quasseln sie über Alles, was sie bewegt. Ab und zu beziehen sie ihr Publikum an den Tischen mit ein, stellen Fragen, holen sich Meinungen ein. Die Klang-Spirale und coole Rhythmen aus der Box (Borries v. d. Bussche) unterstützen sie bei ihrem Entertainment über das migrantische Mädchenleben.

Keine Handlungen, sondern einfach so „gechillt“ Zusammensein, über Themen reden, sich streiten und sich lustig machen. Dabei stellt sich heraus, dass die Drei doch sehr verschieden sind. Nur einen gemeinsamen Nenner haben sie: „Keins der drei Mädchen will nach Hause“. Da ist es klein und eng und keiner redet mit ihnen. Erst, als der große Bruder anruft und droht, es dem Papa zu sagen, hauen zwei ab. In ihrer Abwesenheit erzählt das dritte Mädchen von seinem vietnamesischen Freund und seiner Boatpeople-Flucht, bei der die Frauen vergewaltigt wurden. Da kracht die Tür auf und Rollwagen kommen hereingefahren, Teller und Besteck klappern. Jetzt gibt es Spaghetti mit Tomatensauce. Die Mädels bitten die Zuschauer, ihnen beim Servieren zu helfen und beim gemeinsamen Essen unterhalten sie sich. Dabei wollen sie wissen, was ihnen die Zukunft bringt, welche Chancen sie mal später im Beruf haben werden. Mit einem intuitiven Gespür für Pointen und Witz improvisieren die Drei mit den gut gemeinten Vorschlägen des Publikums und ohne, dass es weiter auffällt, ziehen sie dabei die Zuschauer auf ihre Seite. Die Kunst wird zur Kommunikation zwischen allen Beteiligten, es entsteht ein Think Tank ohne Kunst-Barriere. Das Ganze wird abgebrochen mit einem „Funky Hand Clap – Sound“ und Discodance, zu dem die drei Mädels tanzend ihre erhaltenen Berufstipps öffentlich auswerten. Zum Dank für die guten Ratschläge laden die Drei ihr Publikum auf die Spielfläche ein, um mit ihm bis zur Abmoderation zu tanzen. Danach gibt’s für die Drei und die beiden Musiker einen herzlichen Applaus.

DDie Inszenierung „Die Mädchen vom Postspielplatz“ gibt authentische Einblicke in die fernen und nahen Lebenswelten dieser Mädchen und lässt dabei ihre persönlichen Potentiale aufblitzen. Ungewöhnlich ist auch das Format der Inszenierung: statt im Parkett zu sitzen, werden die Zuschauer/Innen eingeladen, an Langen Tafeln beim inszenierten Spaghettiessen das Bühnengeschehen mit zu entfalten, zu diskutieren und sich zu unterhalten. Am Schluss tanzen sie auf der Spielfläche.

Der Theatertext für „Die Mädchen vom Postspielplatz“ verwendet O-Ton Materialien aus Interviews und Dialogimprovisationen mit migrantischen Mädchen. Beteiligt daran waren Schüler/Innen des Leibniz-Gymnasiums, des Rütli-Campus, der Ferdinand-Freiligrath-Schule und der Ernst-Schering-Schule. Die drei Schauspielerinnen und die Regisseurin (Isabella Mamatis) experimentierten mit diesem Material …… (siehe www.lange-tafel.com)
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Finanziert von:

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Es spielen:

Daria Gabriel,
Lodi Doumit,
Nadine da Cruz Oliveira
und Schülerinnen des Leibniz Gymnasiums
Musik: Maria Michael Kammertöns und Borries von dem Bussche
Regie, Bühne , Kostüm: Isabella Mamatis Regieassistenz: Daniela Rupprechter
Produktionsassistenz: Mazlum Tassar
Mit finanzieller Unterstützung

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